26.04.2008 – Samstag morgens, der Tag dämmert, die Vögel schlummern noch, und doch ist schon Leben am Eilendorfer Bahnhof. Christian und Bernd machen sich auf den Weg auf das große, unbekannte, ultimative Erlebnis – der Woodbadgekurs. Mit der Erwartung einer Woche Urlaub unter dem Motto „Auf nach Zamonien“ (Stichwort: Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär von Walter Moers) fuhren wir mit der Bahn nach Wegberg ins Haus St. Georg unseres Diözesanverbandes. Hört sich einfach an, isses aber nicht. Nach Schätzungsweise einer halben Ewigkeit mit der Bahn, dem Bus von Erkelenz nach Wegberg und dann auch noch zu Fuß weiter bis ins Haus St. Georg, durften wir dann endlich unsere Zimmer beziehen und einen Kaffee trinken. Und dann gings auch schon inhaltlich los. Nach einigen lustigen Vorstellungsspielen machten wir uns auf den Weg um die Umgebung – Zamonien – und uns gegenseitig näher kennenzulernen. Nach anderthalb Tagen kennenlernen und inhaltlichem Input gings dann am Montag abend endlich los. Der große Selbstversuch der Pfadfindermethode. Diese besteht im wesentlichen aus sechs Phasen: Ideenfindung – Entscheidung – Planung – Durchführung – Reflexion – Feier. Das große Problem daran: Die Entscheidung ist keine Mehrheitsentscheidung, kein Kompromiss, sondern eine Konsenzentscheidung. Dass heißt alle müssen voll und ganz hinter dem Projekt stehen. Und das ganze Projekt musste auch noch bis Freitag abend abgeschlossen sein. Die ganze Sache wurde noch durch den Handlungsauftrag erschwert (oder erleichtert?!?): Gemeinsames reflektiertes Handeln auf pfadfinderische Art und Weise auf der Grundlage der Bedürfnisse und Interessen jeder und jedes einzelnen. Dass heißt erst mal drei Tage Diskussion über Themen wie: Was sind Bedürfnisse, was Interessen, welche liegen vor, was bedeutet pfadfinderische Art und Weise, handeln wir reflektiert, machen wir ein Blitzlicht oder vielleicht lieber ‘ne Pause, wer moderiert als nächstes und der ein oder anderen Reflexion unter Anwendung einer besonders tollen Reflektode (Neologismus für Reflexionsmethode), ist am späten Donnerstagnachmittag der Knoten geplatzt. Ein echt unglaublich geiles Erlebnis: Nach dieser schweren Zeit haben wir uns endlich einvernehmlich auf ein Projekt geeinigt: Wir wollen eine Brücke über einen Fluss bauen und diesen dann gemeinsam überqueren. Dass ganze sollte dann auch noch in Form eines Bilderrahmens dokumentiert werden. Noch am selben Abend haben wir uns dann auf die Suche nach einem geeigneten Fluss gemacht. Schließlich haben wir uns dann aufgrund der örtlichen Begebenheiten für die Niers entschieden. Ruhige Strömung, nicht zu breit und gesäumt von Bäumen.
Freitag war dann Aktionstag. Nachdem wir aus Rheydt und verschiedenen anderen Pfadfinderhochburgen Material angekarrt hatten, fingen wir an eine unheimlich stabile, formschöne und überhaupt unglaublich perfekte Brücke zu bauen und sind dabei auch fast überhaupt gar nicht nass geworden. Nachdem dann alle am anderen Ufer angekommen waren, war es vollbracht: Unser Projekt ein voller Erfolg. Das musste dann natürlich (nach kurzer Reflexion) gebührend gefeiert werden: Dazu hatte uns die Küche ein echt einzigartiges, leckeres Buffet aufgetischt.
Was bringt uns das ganze für unsere Jugendarbeit? Das war das große Thema am Samstag. Eine Projektmethode mit den Kindern durchzuführen, ist natürlich nicht ganz einfach. Vor allem muss man aufpassen, dass man die Kinder nicht überfordert. Deswegen kann man die Rahmen-bedingungen dementsprechend eingrenzen und so das ganze vereinfachen.
Schließlich gings noch darum sich Gedanken über ein Vorhaben zu machen, dass es gilt bis zum 14.11. durchzuführen. Diese Vorhabensphase wird dann durch ein Entwicklungswochenende abgeschlossen. Darauf folgt dann irgendwann die Woodbadge-Ernennung, mit der die Leiterausbildung dann abgeschlossen ist. Die Konzeption des Kurses geht übrigens auf Baden-Powell, den Gründer der Pfadfinderbewegung, zurück, der auch die ersten Kurse durchführte und die ersten Leiter ernannte.
Abschließend wollen wir noch sagen: Ein einzigartiges und wertvolles (und vor allem auch einzigartig wertvolles) Erlebnis, dass wir nicht missen wollen. Es lohnt sich, auch trotz (oder gerade auch wegen) der Diskussionen. Und man lernt eine Menge netter Leute sehr intensiv kennen. Macht’s mit, solange ihr die Gelegenheit dazu habt!
Und zum Schluss: Vielen Dank an alle, die uns dieses Erlebnis ermöglicht haben!
[Text: Bernd Wolkenar, Christian Graf | Fotos: n/a]